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Doktorarbeit

Warum, wo, weshalb?

"Doktorarbeit", Dissertation, Promotion: warum, weshalb, wozu, wo & wie???

Das Studium der Medizin und der Zahnmedizin ist in Deutschland weitgehend verschult und reglementiert. Inhalte und Organisation unterliegen einer anhaltenden Diskussion, was nicht zuletzt daran zu erkennen ist, dass in den letzten zwei Jahrzehnten die zur Zeit geltende Ausbildungsordnung sieben mehr oder weniger weitreichende Änderungen erfahren hat.

Hierbei wird oft übersehen, dass die Organisation des Studiums Ihnen auch weitreichende Freiräume lässt, deren sinnvolle Nutzung entscheidend für die Qualität Ihrer Ausbildung und Ihren Studienerfolg sein kann. Neben sieben Monaten Vorlesungszeit umfasst das akademische Jahr fünf Monate vorlesungsfreie Zeit, die sogenannten "Semesterferien" - ein Freiraum, der in Schulsystemen unvorstellbar ist. Es liegt an jeder/jedem Einzelnen, diese Freiräume zu nutzen, um sich je nach persönlicher Orientierung über die Minimalanforderungen der Approbationsordnung und des Gegenstandskataloges hinausgehende praktisch-ärztliche Erfahrungen (z.B. über vermehrte Famulaturen) zu erwerben oder sich wissenschaftlich im Rahmen einer anspruchsvollen Promotion weiterzubilden.

Gerade die Arbeiten zu einer Dissertation - die "Doktorarbeit" bieten eine einmalige Gelegenheit, sich in einer von dem eher verschulten Kernkurrikulum deutlich abweichenden Arbeitsatmosphäre vertiefend mit einem Thema auseinanderzusetzen und Einblick in die wissenschaftlichen Grundlagen der Medizin und ihre Denk- und Argumentationsweisen zu erlangen. Wer nur eine Doktorarbeit sucht, um einen Titel zu erwerben, der gemeinhin mit der Berufsbezeichnung für eine Ärztin oder einen Arzt verwechselt oder diesem gleichgesetzt wird, vergibt sich eine wichtige Chance.

Ein wesentliches Ziel einer medizinischen oder zahnmedizinischen Dissertation ist sicherlich die Verbesserung Ihrer ärztlichen Qualifikation und deren Dokumentation nach außen hin. Deshalb scheint es ratsam, seine Dissertationsarbeit so auszuwählen und anzulegen, dass sie Zugang zu neuen Fragestellungen, Arbeitsmethoden und Argumentationsweisen eröffnet. Darüberhinaus sollten sie bestrebt sein, die im Rahmen Ihrer Dissertation erarbeiteten Ergebnisse einer breiten wissenschaftlichen und ärztlichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen - dies geschieht durch die Publikation der Ergebnisse in einer Fachzeitschrift. Solch eine Publikation ist zudem ein hervorragender Ausweis Ihres Erfolges und eine erstklassige Empfehlung bei der Stellensuche nach Abschluß Ihres Studiums.

Die sorgfältige Auswahl einer "Doktorarbeit", des Dissertationsthemas, kann also von entscheidender Bedeutung für Ihren beruflichen Werdegang sein. Hierbei stellen sich mehrere Fragen, so z.B.:

- Wo liegen meine persönlichen Interessen, und wie finde ich eine/n Betreuer/in, mit deren/dessen Unterstützung ich an einem Thema arbeiten
kann, das meinen Interessen entspricht? D.h.,
- Wie erfahre ich, welche Arbeitsgruppe an welchem Thema arbeitet?
- Und: kann ich beurteilen, ob die Arbeitsgruppe erfolgreich ist, und ob die DokrorandInnen in dieser Arbeitsgruppe produktiv sind?

Bei der Abwägung Ihrer persönlichen Interessen sollten Sie sich darüber im klaren sein, dass die meisten Gebiete der modernen Medizin auf eine Reihe gemeinsamer methodischer Grundlagen aufbauen - Kenntnisse und Fertigkeiten in grundlegenden Methoden der Biochemie und Molekularbiologie, der Physiologie, und der Zellbiologie & Anatomie eröffnen Ihnen einen breiten Zugang zu vielen klinischen Disziplinen und Spezialgebieten.

Sie sollten sich rechtzeitig über Ihre Interessen klar werden. Der Übergang vom Studium in den ärztlichen Beruf und der ärztliche Arbeitsalltag lassen in der Regel kaum Gelegenheit, die Dissertation, wie in anderen Fachgebieten, nach Abschluß des Studiums anzufertigen. Als gut geeigneter Zeitpunkt hat sich der Beginn des zweiten klinischen Abschnitts Ihres Studiums herausgestellt. Um hier auch wirklich mit den Arbeiten zu einer Dissertation beginnen zu können, sollten Sie sich aber spätestens nach dem Physikum um ein Thema und die Aufnahme in eine Arbeitsgruppe bemühen.

Der heute wohl einfachste Weg, um über die wissenschaftlichen Aktivitäten einzelner Hochschullehrer, Institute und Kliniken näheres zu erfahren, geht über das Internet. Ein "Surf" durch die Seiten Ihrer Medizinischen Fakultät lohnt hierbei sicherlich. Besonders interessant sind hierbei auch Hinweise auf Graduiertenkollegs, die speziell der Förderung von DoktorandeInnen gewidmet sind. Eine Liste aller Graduiertenkollegs in Deutschland gibt es auf der Homepage der Deutschen Forschungsgemeinschaft (http://www.dfg.de/foerder/grako/listegrako.html).

Die Medline (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/) bietet Ihnen die Möglichkeit nachzusehen, zu welchen Themen Arbeitsgruppen und Hochschullehrer, für deren Arbeit Sie sich interessieren, wissenschaftliche Arbeiten publiziert haben.

Eine hervorragende Gelegenheit, sich über das wissenschaftliche Umfeld zu informieren, indem Sie Ihre Dissertation anfertigen wollen, bietet auch die Teilnahme an den zahlreichen wissenschaftlichen Vorträgen, die von den jeweiligen Instituten angeboten werden. Hier sei beispielhaft auf die Helmholtz-Seminarreihe der Vorklinischen Institute der Universität Bonn und die Vortragsreihen der Sonderforschungsbereiche in Bonn verwiesen (siehe Aushänge in verschiedenen Instituten). Keine Angst: diese Vorträge sind meist verständlicher, als Sie es sich wahrscheinlich vorstellen.

Einige sehr hilfreiche Überlegungen zum Thema Auswahl einer Dissertation / "Doktorarbeit" finden Sie in der Arbeit von C.R. Kahn, "Picking a Research Problem", die 1994 im New England Journal of Medicine erschienen ist (Band 330, Seite 1530; im Netz zugänglich unter http://content.nejm.org/cgi/content/full/330/21/1530

(Falls Sie nicht direkt Zugriff haben, müssen Sie sich vorher kurz über die homepage des New England Journal of Medicine (http://www.nejm.org) kostenfrei registrieren - Sie haben dann auch Zugang zu allen Arbeiten dieser hervorragenden Zeitschrift, die älter als sechs Monate sind).

Letztendlich sollten Sie keine Scheu haben, eine/n Hochschullehrer/in Ihres Vertrauens direkt um Rat in diesen für Ihre berufliche Laufbahn wichtigen Fragen anzusprechen.

Zu den Dissertationen am Anatomischen Institut - Anatomie & Zellbiologie
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